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Die ARTOS Fechtbahn

Firma ARTOS

Die Sportart Fechten, kaum bekannt und doch sehr interessant. Viele wissen nicht was für eine Arbeit dahinter steckt, sportlich sowie auch technisch. Ein Mann steckt dabei extrem viel Arbeit in diesen Sport: Steffen Grollmisch. Seine Firma Artos und er haben die Idee der Fechtbahn im Fechtsport revolutioniert.

Über Steffen Grollmisch

Steffen Grollmisch war selbst einst Fechter. Schon seit seinem siebten Lebensjahr gehört Fechten zu einem seiner Hobbys. 1987/88 war er sogar ein Teil der Nationalmannschaft der DDR. Später auch einmal Trainer. Doch eines ließ ihn dabei nie in Ruhe:

„Wie kann ich die Materialien für den Sport verbessern und weiterentwickeln?“

Durch diese Frage machte er sein Hobby zur Leidenschaft.

Nach der Entwicklung einiger Prototypen mit seinem Freund kam die Idee zur Firma. Basierend darauf gründete er zuerst ein Einzelunternehmen, das sich mittlerweile zu einer GmbH & Co. KG weiterentwickelt hat.

Die Firma Artos ist durch Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Innovationen sehr erfolgreich und aufgrund dieser Tatsache ist die Nachfrage international sowie national sehr stark. Seine Produkte müssen industriell hergestellt werden, um die Stückzahlen hochzuhalten. Im Bereich der Fechtbahnen gelang ihm das und nicht nur das, sondern auch die internationale Zusammenarbeit sowie die nationale und die mit dem Modernen Fünfkampf. Artos genießt dabei großes Ansehen, entwickelt sich jedoch ständig weiter.

Die Idee der neuen Fechtbahn

Eine Fechtbahn ist 14 m lang und 1,50 m breit. Sie besteht aus einem leitenden Material, so dass Treffer auf ihr nicht angezeigt werden. Häufig bestehen die Bahnen aus einem Kupfergeflecht mit einem Gewicht von ca. 70 kg. Neben ihnen gibt es auch Bahnen aus Aluminium und Stahl. Doch der wichtigste Aspekt ist die Sicherheit — der Fechter darf während des Gefechtes nicht ausrutschen und sich verletzen.

In diesem Sinne entwickelte Grollmisch eine neue Fechtbahn, die ebenso rutschfest wie strapazierfähig ist. Die neue Bahn wiegt nur noch 24 kg und ist somit sehr leicht von Ort zu Ort transportierbar. Ein weiterer Punkt ist die farbliche Gestaltung. Mit der Einführung des Farbfernsehens entstanden neue mediale Herausforderungen. Der Vorteil einer farblichen Umgestaltung in Gelb, Grün, Rot und Blau eröffnete neue Möglichkeiten der Präsentation. Hinzu kam, dass man die Bahnen nun auch bedrucken lassen konnte und sie keine optischen Reflexionen mehr aufwiesen. Natürlich gibt es auch noch Bahnen in ihren ursprünglichen Farben. Auf seine Idee hat er sogar ein Patent erworben.

Durch die ständige Weiterentwicklung der Firma ARTOS wurde Steffen Grollmisch zu einem der Branchenführer.

Materialien und Nachhaltigkeit

Zur Hilfe kommen ihm dabei verschiedene Dienstleister, wie für das Weben der Bahn. Die Webmaschine für die Bahnen kommt von einem Unternehmen aus Sachsen — einem wichtigen Partner, mit dem es möglich ist, die Fechtbahn unter Extrembedingungen zu testen. Hierbei werden der Abrieb, die Stoßfestigkeit und die Verhinderung der Geruchsbildung durch Silbermaterialien getestet. Diese Erkenntnisse sind auch auf andere Produkte anwendbar.

Die Umweltfreundlichkeit ist dabei sehr wichtig. Die Nachhaltigkeit ist durch die Vorgaben in Deutschland gegeben. Die Materialien sind lange haltbar und brandfest.

Wesentliche Materialeigenschaften:

  • Unterseite gummiert und rutschfest
  • Keine chemischen Gerüche oder Substanzen
  • Elektrisch leitfähige Oberseite
  • Stoß- und reißfestes Gewebe in der Mittelschicht

Der Entwicklungsprozess

Der Prozess der Entwicklung begann 1992/93 mit der Frage nach mehr Flexibilität im Material. Der erste Schritt war Carbon-Gewebe — dieses hat jedoch keine hohe Leitfähigkeit und ist zu glatt.

Mit der Fahrt zur Techtextil in Frankfurt sollte sich die Frage nach dem richtigen Stoff klären, doch Spezialisten konnten keinen Ansatz liefern. Erst durch einen Freund in den USA konnte ein geeignetes Garn für diese Bahnen entwickelt werden. Dieses Garn ließ er produzieren und weben.

Dabei tauchte ein Problem auf: Durch den elektrisch leitenden Stoff entstand Reibung in der Maschine, die eine hohe Spannung zur Folge hatte. Das war eine Gefährdung für die Anlage und führte zum Produktionsausfall. Erst nachdem die Maschine weiterentwickelt wurde, konnte die Produktion fortgesetzt werden. Ein weiteres Problem war die hohe Partikel- und Staubanziehung durch die statische Ladung, die zu Verschmutzungen im Material führte — dieses Problem wurde jedoch schnell gelöst.

Die Prototypen wurden in Halle/Saale im jetzigen Fechtzentrum Halle getestet und führten zu positiven Reaktionen. Die Produktion war jedoch zunächst viel zu teuer. Durch die Optimierung des Silbereinsatzes wurde das Produkt besser und konkurrenzfähig.

Der gesamte Prozess dauerte 8 Jahre.

Durchbruch und Erfolg

Grollmisch revolutionierte die Idee der Fechtbahn — er erfand sie ganz neu.

Der Verkauf der Bahnen wurde durch die jeweiligen Nutzer angekurbelt. Ausschlaggebend waren jedoch die Olympischen Spiele in Atlanta 1996, bei denen die Bahnen erstmals eingesetzt wurden, um dem Publikum und den Fechtern das Erkennen der Treffer so einfach wie möglich zu machen.

„Es lohnte sich definitiv, so eine Bahn zu kreieren.“ Ist die Aussage Grollmischs nach all den Jahren. Da er seine Idee alleine entwickelte, muss er zur Weiterentwicklung des Produktes bei seiner Suche nach Partnern viel Überzeugungsarbeit leisten.

Es war ein langer Weg als Selbstinvestor bis zu seinem jetzigen Standpunkt — ein Weg, der sich auf jeden Fall gelohnt hat: für alle Fechter und für ARTOS.

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Über Steffen Grollmisch

Gründer und geschäftsführende Direktor von ARTOS Fencing, Entwickler der patentierten Fechtbahnen und innovativer Fechtsport‑Technologien sowie international engagierter Funktionär und ehemaliger National‑Fechter.